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Zweigapotheken digital verwalten: Mehrere Standorte in einem System

Mit dem Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz wurden die Voraussetzungen für Zweigapotheken in ländlichen Regionen neu geregelt. Seit dem 2. Juli 2026 kann die zuständige Behörde den Betrieb einer Zweigapotheke in einem abgelegenen Ort oder Ortsteil genehmigen, wenn die Arzneimittelversorgung dort deutlich eingeschränkt ist.

Für Apothekeninhaberinnen und -inhaber, die eine solche Zweigapotheke betreiben möchten, entsteht neben den rechtlichen und personellen Anforderungen eine praktische Frage: Wie lassen sich mehrere Apothekenstandorte digital verwalten, ohne Informationen und Prozesse mehrfach pflegen zu müssen?

Was ist eine Zweigapotheke?

Eine Zweigapotheke ist rechtlich nicht mit einer gewöhnlichen Filialapotheke gleichzusetzen. Sie dient der Arzneimittelversorgung in abgelegenen Orten oder Ortsteilen, in denen keine ausreichende Versorgung durch eine bestehende Apotheke gewährleistet ist.

Bei der Beurteilung werden insbesondere die Entfernung zur nächstgelegenen Apotheke und deren Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln berücksichtigt. Die Genehmigung erfolgt durch die zuständige Behörde und ist an gesetzliche Voraussetzungen gebunden.

Nach der Neuregelung können bis zu zwei Zweigapotheken zusätzlich zu den zulässigen Filialapotheken betrieben werden. Die Erlaubnis wird für zehn Jahre erteilt und kann anschließend erneuert werden.

Warum mehrere Standorte nicht mehrere digitale Insellösungen benötigen

Wer Haupt-, Filial- und Zweigapotheken betreibt, muss zahlreiche Informationen für jeden Standort bereitstellen. Dazu gehören beispielsweise:

  • Öffnungszeiten
  • Kontaktdaten
  • angebotene Leistungen
  • Abhol- und Lieferoptionen
  • Bestellungen
  • standortbezogene Hinweise
  • Ansprechpartner und Erreichbarkeit

Werden für jeden Standort getrennte Websites, Apps oder Verwaltungssysteme eingesetzt, erhöht sich der Pflegeaufwand. Informationen müssen mehrfach aktualisiert werden, unterschiedliche Systeme erfordern eigene Zugänge und Änderungen werden möglicherweise nicht überall gleichzeitig übernommen.

Ein zentral aufgebautes System kann die gemeinsamen Bestandteile bündeln und gleichzeitig standortspezifische Angaben getrennt abbilden.

Eine Website für mehrere Apothekenstandorte

Eine gemeinsame Website kann alle Standorte unter einer einheitlichen Marke darstellen. Patientinnen und Patienten wählen dort die gewünschte Apotheke und erhalten anschließend die passenden Informationen.

Dazu können gehören:

  • Adresse und Anfahrt
  • Öffnungszeiten
  • Telefonnummer
  • angebotene Services
  • Botendienstgebiet
  • Abholoptionen
  • aktuelle Hinweise

Allgemeine Inhalte, etwa Informationen zur Apotheke oder zu pharmazeutischen Dienstleistungen, lassen sich zentral pflegen. Abweichende Öffnungszeiten oder lokale Leistungen werden dagegen dem jeweiligen Standort zugeordnet.

Eine Patienten-App mit Standortauswahl

Auch eine gemeinsame Patienten-App kann sinnvoll sein, sofern sie mehrere Standorte eindeutig voneinander trennt.

Patientinnen und Patienten sollten vor einer Bestellung oder Rezeptübermittlung klar erkennen können:

  • an welche Apotheke ihre Anfrage gesendet wird
  • wo eine Abholung erfolgt
  • welcher Standort den Botendienst übernimmt
  • welche Öffnungszeiten gelten
  • wen sie bei Rückfragen kontaktieren können

Eine verständliche Standortauswahl verhindert Fehlleitungen und sorgt für ein einheitliches Nutzungserlebnis.

Bestellungen und E-Rezepte richtig zuordnen

Bei mehreren Standorten ist eine eindeutige Zuordnung besonders wichtig. Bestellungen und digitale Rezeptvorgänge dürfen nicht versehentlich an die falsche Apotheke übermittelt werden.

Ein geeignetes System sollte deshalb für jeden Vorgang dokumentieren:

  • welchen Standort der Patient ausgewählt hat
  • welches Team den Vorgang bearbeitet
  • welche Abhol- oder Lieferoption gilt
  • welchen Bearbeitungsstatus die Anfrage hat

Zugriffsrechte und Verantwortlichkeiten müssen dabei klar geregelt sein. Eine gemeinsame technische Plattform bedeutet nicht automatisch, dass alle Mitarbeitenden auf sämtliche Daten aller Standorte zugreifen dürfen.

Warenbestände nur mit geeigneter Schnittstelle anzeigen

Ein standortübergreifender Blick auf die Warenverfügbarkeit kann die Bearbeitung von Anfragen erleichtern. Voraussetzung ist jedoch, dass die eingesetzten Warenwirtschaftssysteme den notwendigen Datenaustausch technisch und rechtlich unterstützen.

Ist eine entsprechende Anbindung vorhanden, können Apotheken beispielsweise erkennen, an welchem Standort ein Produkt verfügbar ist. Fehlt eine solche Schnittstelle, sollten gegenüber Patientinnen und Patienten keine vermeintlichen Echtzeitbestände angezeigt werden.

Vor der Auswahl einer Plattform ist daher zu prüfen:

  • Welche Warenwirtschaft wird an jedem Standort eingesetzt?
  • Besteht eine geeignete Schnittstelle?
  • Wie aktuell sind die übertragenen Bestandsdaten?
  • Welche Zugriffsrechte lassen sich festlegen?
  • Wie werden Reservierungen einem Standort zugeordnet?

Einheitliches Branding, lokale Informationen

Mehrere Standorte sollten nach außen als zusammengehörige Apothekengruppe erkennbar sein. Logo, Farben, Sprache und grundlegende Serviceinformationen können deshalb zentral verwaltet werden.

Gleichzeitig benötigt jeder Standort Raum für eigene Angaben. Dazu gehören etwa:

  • abweichende Öffnungszeiten
  • standortbezogene Leistungen
  • lokale Ansprechpartner
  • Liefergebiete
  • Aktionen
  • Anfahrts- und Parkhinweise

Das Ziel ist eine gemeinsame Markenwelt, ohne die Unterschiede der einzelnen Apotheken zu verschleiern.

Zentrale Verwaltung mit geregelten Rollen

Ein Multi-Standort-System sollte nicht nur Informationen bündeln, sondern auch unterschiedliche Rollen unterstützen.

Die Inhaberin oder der Inhaber benötigt möglicherweise einen Überblick über alle Standorte. Standortleitungen sollen dagegen vor allem die Daten und Vorgänge ihrer eigenen Apotheke bearbeiten. Weitere Mitarbeitende benötigen gegebenenfalls nur Zugriff auf bestimmte Aufgaben.

Ein Rollen- und Berechtigungskonzept hilft dabei, Verantwortlichkeiten sauber abzubilden und unnötige Datenzugriffe zu vermeiden.

Checkliste für die digitale Verwaltung mehrerer Standorte

Vor der Einführung einer Lösung sollten Apotheken folgende Fragen klären:

Lassen sich Haupt-, Filial- und Zweigapotheken getrennt darstellen?
Können gemeinsame Inhalte zentral aktualisiert werden?
Sind Öffnungszeiten und Leistungen pro Standort pflegbar?
Werden Bestellungen eindeutig einer Apotheke zugeordnet?
Unterstützt die Patienten-App eine verständliche Standortauswahl?
Lassen sich Rollen und Zugriffsrechte festlegen?
Welche Warenwirtschaftsschnittstellen stehen zur Verfügung?
Können weitere Standorte später ergänzt werden?
Wie werden Datenschutz und Verantwortlichkeiten abgebildet?
Welche Kosten entstehen pro zusätzlichem Standort?

Wie Mediloon mehrere Standorte unterstützen kann

Mediloon verbindet Website, Patienten-App und digitale Kommunikationsfunktionen innerhalb einer gemeinsamen Plattform. Dadurch können Apothekengruppen ihre Marke einheitlich darstellen und gleichzeitig standortbezogene Informationen wie Öffnungszeiten, Kontaktdaten und Leistungen getrennt pflegen.

Welche weiteren Funktionen für ein konkretes Multi-Standort-Setup zur Verfügung stehen, hängt von den eingesetzten Warenwirtschaftssystemen, den benötigten Schnittstellen und den vereinbarten Zugriffsrechten ab.

Vor der Umsetzung sollte deshalb gemeinsam geprüft werden:

  • welche Standorte eingebunden werden
  • welche Daten zentral oder lokal verwaltet werden
  • wie Bestellungen und E-Rezepte zugeordnet werden
  • welche Rollen die jeweiligen Teams benötigen
  • welche Schnittstellen technisch verfügbar sind

So entsteht eine digitale Struktur, die zur tatsächlichen Organisation des Apothekenverbunds passt.

Fazit

Die neuen Regelungen zu Zweigapotheken eröffnen zusätzliche Möglichkeiten, die Arzneimittelversorgung in abgelegenen Regionen zu sichern. Eine Zweigapotheke ist jedoch keine gewöhnliche zusätzliche Filiale, sondern eine behördlich genehmigte Betriebsform mit besonderen Voraussetzungen. Wer Haupt-, Filial- oder Zweigapotheken gemeinsam betreibt, sollte die digitale Infrastruktur frühzeitig mitplanen. Eine zentrale Plattform kann den Pflegeaufwand reduzieren, ein einheitliches Erscheinungsbild schaffen und standortbezogene Prozesse übersichtlicher gestalten. Entscheidend sind eine eindeutige Standortzuordnung, geregelte Zugriffsrechte und technisch belastbare Schnittstellen. Erst wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, wird aus mehreren Standorten ein funktionierendes digitales Gesamtsystem.

Über Mediloon

Mediloon ist ein Healthtech-Unternehmen mit Sitz in Leipzig und entwickelt digitale Infrastruktur für deutsche Apotheken — darunter E-Rezept-Integration, Apotheken-Apps, Click & Collect, Botendienst-Koordination und den KI-Assistenten Medi. Dieser Beitrag ist Teil der Mediloon-Leitfadenreihe zur Digitalisierung im Apothekenwesen. Er dient allgemeinen operativen und regulatorischen Informationen. Bei konkreten Rechts- oder Compliance-Fragen zum Einsatz von KI-Systemen in Ihrer Apotheke empfiehlt sich die Rücksprache mit Ihrer zuständigen Apothekerkammer oder qualifizierter Rechtsberatung.